Entspannung Impuls Tipp

Allein-sein lieben lernen

Allein-zu sein, davor haben viele Angst.
Allein-sein, fällt vielen Menschen schwer.
Allein-sein fordert uns heraus.
Allein-sein verursacht Stress.
Allein-sein lädt uns ein, mit uns selbst in Kontakt zu treten.

Warum es so wichtig ist und warum es sich vor allem lohnt, das Allein-sein lieben zu lernen, darum wird es in diesem Beitrag gehen.

Über das Allein-Sein

Besonders in der jetzigen Zeit, im Zuge von Pandemie und Lockdown, sind noch mehr Menschen mit dem Thema Allein-sein konfrontiert. Isolation, Abgeschiedenheit, Beschränkungen verursachen großen Druck und Anspannung in uns. Am meisten davon betroffen, sind ältere Menschen oder Diejenigen, die ohnehin schon allein leben und womöglich keine Familie haben.

Die Anzahl der Singlehaushalte und auch Haushalte mit alleinerziehenden Elternteilen in unserer westlichen Welt sind in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen. Über das warum lässt sich lange debattieren.

Fakt ist, das diese Form des Lebens nicht der evolutionären Form unseres ursprünglichen Daseins entspricht.

Woher stammen wir

Wir Menschen sind soziale Wesen. Abgestammt und entwickelt in einem Gruppengefüge.
Für das leichtere Verständnis könnte man es auch als Herde (heute Familie) bezeichnen.
Jedes Lebewesen hatte in seiner Gruppe einen bestimmten Platz und eine bestimmte Aufgabe (Funktion). Dadurch haben wir eine gewisse Abhängigkeit zu anderen Lebewesen entwickelt.
Wenn es dieses Gruppengefüge jedoch nicht mehr in Gänze gibt, entsteht daraufhin eine Disbalance und Verschiebung der Aufgaben und Zuständigkeiten auf die einzelnen übrig gebliebenen Gruppenmitglieder – uns. Das heißt z.B., dort wo einst andere Gruppenmitglieder geführt, gelenkt und unterstützt haben, ist niemand mehr. Wir sind mit dieser Aufgabe auf uns allein gestellt.
Hinzu kommt, die Aufgabe und Funktion, die wir selbst in der ursprünglichen Gruppe inne habe.

Gut, dass es mittlerweile andere Konstrukte und Möglichkeiten gibt, die ein ursprüngliches Gruppengefüge nachbilden. Wie z.B. soziale Einrichtungen, Betreuer- und Pflegekräfte, Wohngruppen, Vereine, Freunde und Bekannte. Auch Partnerschaften, Beziehungen jeglicher Art. Diese ersetzen und besetzen bestimmte Funktionen aus unserem eigentlichen Leben in einer Gruppe.
Wir Menschen brauchen Nähe. Wir brauchen den Austausch.
Auf Grund unserer unbewussten Abhängigkeit hinterfragen wir jedoch selten, ob uns diese anderen Konstrukte wirklich gut tun bzw. die richtigen sind.

Unbewusst ist in unseren Zellen die Abhängigkeit abgespeichert. Es ist entsteht ein Verlangen, die Sucht nach einer Gruppe. Das ist unter anderem auch der Grund, warum einige Menschen nach Trennungen recht schnell wieder neue partnerschaftliche Beziehungen eingehen. Sie scheuen sich vor dem allein-sein. Oder sie “flüchten” sich in Beschäftigungsgruppen, wie Sport, Musik, Theater oder sogar in die Arbeit.

Doch was tun, wenn auch dies nicht mehr möglich ist?
genau diese Situation haben wir nun schon fast über ein Jahr.

Allein-sein lernen

Allein-sein kann depressiv machen.
Allein-sein kann zur Verzweiflung führen.
Allein-sein kann krank machen.
Allein-sein verursacht Stress.

ABER nur, weil es Menschen nicht gelernt haben, mit dem Allein-sein positiv umzugehen.

Das Allein-sein fordert uns heraus und konfrontiert uns mit uns selbst.

Denn, haben wir jemals in der Kinderzeit gelernt oder wurde es uns sogar erlaubt, uns mit uns selbst auseinander zu setzen?
Haben wir gelernt, das wir auf unsere eigene Stimme, Gefühle, Bedürfnisse hören dürfen und können?
Nein. Wir haben stets die Meinung und Anweisungen anderer vernommen. Permanent prassel(te)n Reize, Anforderungen und Forderungen Anderer auf uns ein, die unsere Aufmerksamkeit forder(te)n.
Und so fordern, lenken und führen auch wir. Doch….

Wenn niemand mehr da ist, außer wir selbst, der uns fordert und den wir fordern können, dann entsteht Stille in uns und im außen.

sayaa- Annett Schulz

Hallo ICH

Stille und Alleinsein helfen uns, unsere Gefühlswelt anders, ja sogar neu zu erleben, sie wirklich wahr zu nehmen. Das kann anfangs ziemlich verwirrend und Angst einflößend sein. Es ist zum Teil sehr unangenehm, weil dadurch vielleicht auch negative Emotionen zum Vorschein kommen, die wir gerne vermeiden möchten.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Momenten des wirklichen Allein-seins.
Ich war gerade mal 20 Jahre alt. Ich bezog meine erste eigene Wohnung fern der Heimat.
Freunde und Familie waren nicht mehr greifbar nah. Ich kam aus einer Kleinstadt und fand mich im Getummel einer Großstadt wieder. Ich fühlte mich völlig überfordert mit allem. Diese vielen Menschen, der Verkehr und vor allem, niemand zu Hause mit dem ich sprechen konnte, der einfach da war. Ich hatte große Schwierigkeiten und fühlte mich anfangs sehr einsam und irgendwie verloren. Bis ich begann mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich besann mich darauf, was mir Freude bereitet. Manchmal saß ich auch einfach nur das Allein-Sein aus und wartet auf den Moment, wo es besser werden würde. Doch irgendwann entschied ich mich bewusst dazu mich von Abhängigkeiten zu lösen.
Das machte mich frei und unabhängig. So fing ich an allein ins Kino zu gehen oder zum essen.
Ich machte es mir zu Hause bewusst gemütlich und fing sogar an mit mir selbst zu sprechen.
Später folgten sogar Urlaube und Ausflüge ohne Begleitung. Ich glaubte, ich würde komisch angesehen werden, wenn ich allein unterwegs bin. Es war mir unangenehm. Doch ich stellte fest, dass ich es selbst war, die dieser Situation ein komisches Gefühl verlieh. Ich stellte fest, dass ich im Grunde gar nicht allein bin, denn ich habe jeder Zeit die Wahl, unter Menschen, die mir fremd sind zu gehen.
Ich entdeckte neue Leidenschaften und mich selbst, was mich wirklich interessiert.

Mittlerweile ist das Allein-Sein für mich Normalität, die ich überaus wert schätze und liebe.

Vorteile des Allein-seins

Das Allein-sein ermöglicht es uns, in einen Dialog mit uns selbst zu gehen. Uns ernsthaft zu fragen: Was möchte ich? Was tut mir gut? Was kann ich gut?
Wir müssen kein Bild mehr aufrecht erhalten bzw. erfüllen oder Ansprüchen von anderen Menschen gerecht werden. Wir können Entscheidungen treffen ohne uns abstimmen oder Rücksicht auf bsp.weise einen Partner nehmen zu müssen.

Das Allein-sein fordert uns auf, für uns selbst die ganze Verantwortung zu übernehmen.
Die Verantwortung für uns gut zu sorgen. Selbst bestimmt zu leben und Selbstwirksamkeit zu spüren.
Uns selbst richtig kennen zu lernen, wer wir wahrhaftig und zu was wir in der Lage sind.

warum Allein-sein Stress auslöst

Leider glauben immer noch zu viele Menschen, das sie andere Menschen, Institutionen, Materielles brauchen, um glücklich zu sein oder gar (über)leben zu können. Sie machen ihr glücklich sein also vom Partner, Freunden oder anderen Konstellationen abhängig. Das bedeutet, sobald dies weg fällt, zerbricht ihr Glück.
Damit einher geht das Phänomen der Abwehr. Die Abwehr, der Widerstand den sie entwickeln:
“Ich kann nicht alleine sein” . Hierbei konzentrieren sie sich nur auf das, was sie nicht haben, was ihnen scheinbar fehlt. Mangelndes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sowie der Weg in neue Abhängigkeiten ist die Folge. Sobald Widerstand entsteht, geht der Körper in Alarmbereitschaft oder sogar in den Kampfmodus, was die typischen Stressphasen sind. Der Geist und schließlich auch der Körper signalisieren Gefahr. Gedanken, wie: “das schaffe ich nicht allein” , “das macht keinen Spaß allein” , “mein Leben ist ohne Partner nicht lohnenswert” , “mich will niemand” schleichen sich ein, die uns schwächen. Vielleicht kommt Dir das bekannt vor?!

Doch was kann man nun tun, um das Allein-Sein für sich erträglich zu machen oder sogar zu lieben?

Tipps um das Allein-sein lieben zu lernen

Zunächst möchte ich betonen, das es wichtig ist, das wir soziale Kontakte brauchen. Wir brauchen den Austausch, die Gesellschaft und auch die Nähe mit und zu anderen Menschen um uns zu entwickeln und leben zu können. Mir ist es jedoch ein Anliegen mit diesem Beitrag zu verdeutlichen, dass es für das (Über)Leben wichtig ist, Dich nicht von äußeren Bedingungen abhängig zu machen, ob Du glücklich bist oder nicht, ob Du Dein Leben dennoch angenehm gestalten kannst und Dich erfüllt.

Nur wenn du mit dir ALLEINE gut SEIN kannst, kannst du auch ein positiver Beitrag für andere Menschen sein und Mehrwert stiften.

sayaa – Annett schulz

Meine Tipps für dich, wie du das Allein- sein lieben lernst:
1. Frage dich ehrlich:

  • Welche Menschen, die du kennst, tun dir richtig gut?
  • Welche Menschen geben dir Energie? Welche Menschen ziehen dir Energie?
  • In welchen Abhängigkeiten befindest du dich?
  • Was bringen Dir die Abhängigkeiten?
  • Warum führst Du bestimmte Beziehungen?
  • An welchen Stellen, in welchen Situationen machst Du immer wieder faule Kompromisse, um nicht alleine zu sein?
  • Was ist für Dich so schlimm daran allein zu sein?
  • Wovor hast du Angst, wenn Du allein bist?
  • Welche Gedanken kommen in Dir hoch, wenn du allein bist?
  • Was spürst Du in deinem Körper?
  • Wie fühlst Du Dich?
  • Welche Vorteile verschafft Dir das Allein-sein?
  • Was kannst Du gut?

2. führe Tätigkeiten aus, die das Allein-sein erträglich machen

  • mache Dir Musik zu Hause an, singe oder tanze dazu
  • koche Dir selbst etwas Schönes und esse ganz dekadent
  • halte Dein Zuhause sauber und ordentlich (nicht nur wenn Du Besuch erwartest)
  • gestalte Dir Dein Zuhause so, wie Du es möchtest – es ist dein Heiligtum
  • spreche mit dir selbst über Dinge, die dich beschäftigen, was du tun möchtest
    (ja, verdammt führe Selbstgespräche 🙂 )
  • trau Dich, sei mutig und gehe allein spazieren oder mache Ausflüge
  • sprich fremde Menschen an
  • frage Dich bei jeder Verabredung, die Du triffst oder Kontakte, die Du suchst, aus welchen Beweggründen Du das machst
  • sei ehrlich zu dir selbst
  • nimm unangenehme Gefühle an – du darfst traurig sein – halte das Unangenehme aus
  • renne nicht vor Dir weg
  • tue Dinge, die Du schon lange mal machen wolltest ohne Begleitung
  • beschäftige Dich sinnvoll – nicht aus Ablenkung – erschaffe etwas Neues nur für Dich
  • lerne neue Dinge
  • verabrede Dich mit Dir selbst

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Beitrag einen kleinen Mehrwert liefern und wünsche Dir viele wundervolle Momente des Allein-seins 🙂

Solltest Du Unterstützung dabei benötigen, dann bin ich gerne für Dich da, aber nur um Dir den Weg zu zeigen 😉

Herzlichst Deine Annett

Kontakt | sayaa – Annett Schulz

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