Wer bin ich wirklich?

Veröffentlicht von sayaa.de am

Wer bin ich wirklich?

wir spielen drei wichtige Rollen in unserem Leben: die Rolle, die uns zugedacht wurde, die Rolle, die wir uns selbst vorspielen, und die Rolle, die wir anderen vorspielen.

Harald Schmid 1946 Aphoristiker Tweet

ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, das wir noch viel meeeehr Rollen in unserem Leben spielen. ich denke da z.B. an folgende Rollen als Frau: 

  • Mutter
  • Freundin
  • Oma
  • Ehefrau
  • Cousine
  • Führungskraft in einem Unternehmen
  • Geschäftsinhaberin
  • Nachbarin
  • Berufstätige
  • Schwägerin usw….

Ein Leben und viele ICH´S !

Und in jeder Rolle soll man möglichst authentisch sein und sich wohlfühlen. Geht das?

Mit Person A verlaufen die Gespräche leise und tiefsinnig, mit B sachlich, höflich und ein wenig distanziert. Treffen wir uns mit Person C geht es nur um`s gemeinsam Spaß haben, zuweilen kann das schon ziemlich laut und abenteuerlustig sein. Bei Person D zeigen wir, was wir so drauf haben, lassen unser Können so richtig raushängen, hissen die Flagge der Zielstrebigkeit und des Machens. Wir wollen uns beweisen. Ach und mit E sind wir unter Umständen “streng”, strikt an Regeln haltend und eher anweisend. Und immer fühlt es sich irgendwie gut und richtig an. Scheinbar. Wir hüpfen ganz automatisch von A nach C, von B nach D usw…. ohne große Mühe – ganz selbstverständlich.

Doch welche dieser vielen unterschiedlichen Ichs bin ich wirklich?

Erst wenn das Bewusstsein darüber so richtig zu Tage tritt, scheint Skepsis oder sogar ein Vorwurf sich selbst gegenüben mitzuschwingen: Schauspielere ich nur? Bin ich wirklich “echt”? Wer bin ich überhaupt? Ganz rational betrachtet, sind wir alles und überall echt. Das Leben gleicht einem Theaterstück. Der Mensch ist wandelbar. Die Stimme, Körperhaltung und auch der Blick können sich im Zuge eines Rollenwechsels blitzartig verändern. Rein in die Szene, raus aus der Szene. Ob sich der Wechsel bemerkt oder unbemerkt vollzieht, entscheidet mit darüber, ob wir uns in uns und mit uns wohlfühlen. Wichtig für einen gesunden Rollenwechsel ist das Bewusstsein darüber, dass wir uns gerade in der und der Rolle befinden. Rollen, die automatisiert ablaufen, schaden. Siehe die Frau, die sich freizügig gibt, obwohl sie sich nach einer festen Partnerschaft sehnt – und sich jedoch immer und immer wieder darüber beschwert, dass sie immer an die falschen Männer gerät. In diesem Falle wird von einem reflexartig wiedergegebenem Verhaltensmuster gesprochen, die neben unserem echten, authentischen Ausdruck möglich sind. Sie erklären, dass wir uns oft nur deswegen auf eine bestimmte Art und Weise geben würden, weil wir gelernt hätten, dass das so richtig ist und Anerkennung bringt. Ich erinnere mich sehr gut an viele Situationen, in denen es mir genauso ging. Ich habe des öfteren die taffe unverletzliche Führungskraft gemimt. Bei mir spielte Angst eine große Rolle. Angst vor Ablehnung, Ausgrenzung, Verlust des Arbeitsplatzes. Was wenn ich sage, dass ich dieses und jenes nicht kann? Was wenn ich zugebe, das ich darüber kein Wissen habe? Was wenn ich ablehne den Termin wahr zu nehmen? Hinzu kam mein eigener Anspruch an mich selbst, es mir beweisen zu wollen, dass ich “alles” kann und umgesetzt bekomme. Es sollte möglichst niemand eine Verfehlung von mir aufdecken.

Rollen sind nützlich

Es ist wichtig bewusst in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Das fördert unsere persönliche Entwicklung unser Wachstum. Es dient dazu, Neues zu lernen über sich selbst und andere. Die Auswahl an verschiedenen Rollen ist groß, nicht nur psychologisch – auch gesellschaftlich gesehen. Die Möglichkeit zu wählen, verheißt uns Freiheit. Freiheit über unser eigenes Sein zu bestimmen. Die Freiheit zu haben, herauszufinden, wer und wie man sein möchte und wer und wie nicht. Dennoch verleiht diese Freiheit auch Druck. Druck immer und überall sich “anpassen” zu “müssen” und zu wollen, um ja sein Bestes zu geben und zu zeigen, um seinem höchsten Potential zu begegnen.

Den Druck mindern - die Freiheit genießen

Um den Spagat zwischen Spiel und Ernst zu meistern, den Druck der Selbstoptimierung zu minimieren, ist es hilfreich, aus der Marionette in die Macherrolle zu wechseln. Raus aus dem Rollenspiel rein in die Authentizität. Man könnte sich das fast so vorstellen als hätte man einen Mantel an, den man immer wieder an und ausziehen bzw. gänzlich entsorgen kann. Der Psychiater spricht von einem selbstbewussten und zwanglosen Spiel mit den verschiedenen Facetten des eigenen Wesens. So ähnlich wie in der Schauspielschule. Die Rollen werden reflektiert, wahrgenommen, analysiert, beobachtet. Rückblickend betrachtet, kommt es darauf an, sich möglichst genau zu hinterfragen: Wie bin ich in diese oder jene Situation gegangen? Wie habe ich mich bewegt, gelacht, gesprochen? Mit welcher Einstellung habe ich die Situation durchlebt? So bekommt man ein konkreteres Gefühl dafür, wie man zwischen den einzelnen Rollen switcht. Von der eben noch bestimmt auftretenden Geschäftsfrau zum Kind, das auch mit Mitte 40 in gegenwart des Vaters wieder klein wird. Oder von der overdressen kaltschnäuzigen Chefin, die nach Feierabend, als Mama, fürsorglich und butterweich wird.

Welche Rolle mag ich? Welche Rolle will ich weiterspielen?

Mit etwas Training gelingt es die Übergänge zwischen den einzelnen Rollen zu erkennen, um sich dann ernsthaft zu fragen:

  • Welche meiner Rollen mag ich wahrhaftig und ehrlich?
  • Welche Rollen wäre ich lieber los?
  • Welche der Rollen sind mir von anderen Menschen angeheftet worden?
  • In welchen Rollen mime ich andere Personen nach?
  • Was steckt dahinter, wenn ich mich so oder so verhalte, obwohl ich es eigentlich gar nicht will?

Je nachdem, was wir im Leben für Erfahrungen gemacht haben bzw. machen, können sich angelegte Muster verstärken. Der Tatkräftige, der trotz größter Anstrengung immer wieder scheitert, braucht vielleicht einen Sündenbock. Der Schüchterne, der in Gruppen stets untergeht, hat gelernt: wenn ich den tollen Hecht mime, nimmt man mich eher wahr. Grundsätzlich ist gegen solch eine Strategie nichts einzuwenden, solange diese Rolle nur eine Rolle bleibt und sich nicht als Persönlichkeitsdogma etabliert. Genau das passiert, wenn man aus einem bestimmten Verhaltensmuster nicht mehr heraus kommt. Dieses Verhaltensmuster schürt auf Dauer eine lethargische Unzufriedenheit und innerlichen Stress. Authenzität ade. Man entfernt sich immer weiter weg von seinem eigentlichen Kern – von sich selbst. Folgende Fragen der Selbstreflexion können helfen unliebsame automatisierte Rollen aufzubrechen:

  • Was willst du mit diesem immer wiederkehrenden Muster erreichen?
  • Willst du diese Rolle wirklich weiter spielen?
  • Wie kämst du möglicherweise anders ans Ziel, könntest anders deine Wünsche in Erfüllung bringen?
  • Wie dient dir dieses Verhalten – welchen Nutzen hat es?
  • Fühlst du dich dabei gut?

Der daraus folgende logische Schritt wäre, zu versuchen, dieses Verhalten, das Muster in der nächsten ähnlichen Situation so nicht mehr zu bedienen. Konkret bedeutet das, bewusst eine Drehwendung zu machen. Das heißt, einen Haltungs- und Stimmungswandel zu vollführen. Auch wenn sich dies anfänglich komisch anfühlt, vielleicht ein wenig befremdlich. Genau diese Befremdlichkeit gilt es zu hinterfragen:
Traue ich mich nicht, weil dann der andere ggf. verärgert auf mich ist? Traue ich mich nicht aus Scham?

Diese Befremdlichkeit kann zur Freiheit in das authentische Ich führen, wenn wir uns trauen. Dem eigenen Inneren eine Chance geben, damit unliebsame Rollen keine bzw. weniger Macht mehr über uns haben und unsere wahre Ich-Rolle zum Vorschein kommt, sollte der Antrieb sein. Alles im Leben ist ein Prozess, der Zeit, Übung sowie Geduld benötigt. Es ist wichtig den Moment der Unsicherheit auszuhalten, um uns selbst treu zu bleiben oder auch wieder treu zu werden. Denn nur in diesem Vakuum, werden wir kreativ. Wir geben uns die Möglichkeit, uns neu zu erfinden. Und das keineswegs nur, indem wir alte Rollen fallen lassen.

Alleine das Bewusstsein um die eigene Vielschichtigkeit bringt uns ein Stück mehr zu uns selbst -zurück- 🙂

Auf meinem persönlichen Weg der letzten Jahren, habe ich viele Rollen wieder neu entdecken dürfen. Wundervolle Rollen und Persönlichkeitsmerkmale, die ich abgelegt bzw. versteckt hatte, weil ich meinte und auch gesagt bekommen habe, sie wären nicht angebracht, sie wären nicht gut… Diese wieder zu entdecken sowie neu aufleben zu lassen und dafür andere abzulegen, hat meinem wirklichen Ich die Freiheit beschert.

Ich glaube an DICH !

Namaste`Annett 


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