Was macht uns eigentlich wirklich Streß?

Veröffentlicht von sayaa.de am

Die Klienten klagen über zu viel Hektik, unschöne Situationen und das sie sich überfordert und müde fühlen.

Ich selbst stoße in meinem privaten Umfeld auch immer wieder darauf, dass die Menschen hauptsächlich nicht nur gestresst sind, sondern auch ihre Erzählungen über die Dinge, die sie tun oder erlebt haben einen stressig genervten Touch haben. Schon die Art, wie sie darüber berichten und wie sie sich selbst geben, ist weit entfernt davon entspannt zu sein. Nun, ich kann mich dem leider auch nicht ganz entziehen und ertappe mich immer wieder dabei, wie sehr ich mich gestresst fühle und wahrscheinlich demnach auch handle.

Aus diesen Erfahrungen bzw. Erlebnissen heraus, stelle ich mir immer wieder die Fragen:

  • Was steckt hinter dem Stress?
  • Was ist Stress wirklich bzw. was macht uns eigentlich Stress?
  • Warum fühlen wir uns gestresst?
  • Und warum sagen wir, dass es stressig ist?

Stell Dir folgende Situation vor: Du triffst jemanden nach längerem nicht Sehen, zufällig wieder. Ein kurzer Small Talk über die Familie, die neuesten Neuigkeiten, Gesundheit und Beruf werden ausgetauscht und zack fällt die Aussage „naja, ist ziemlich stressig alles“. Der Gegenüber antwortet lapidar „ach, wird schon wieder werden…..manchmal gibt`s so`ne Zeiten….“. Gespräch beendet. „Alles Gute“.
Kennst Du das?

Ist alles ziemlich stressig

Ich denke, die Aussage „ist alles ziemlich stressig“ wird als Beschönigen verwendet. Sie bezieht sich nicht wirklich auf die Handlungen und Aufgaben, in denen wir stecken. Es ist vielmehr das Gefühl, was uns begleitet, und die Bedeutung und Verbindung, der wir den Aufgaben beimessen.

Beispielsweise: Wenn ich einen Termin beim Zahnarzt habe, jedoch Angst und Unbehagen schon bei dem bloßen Gedanken an Zahnarzt habe, dann ist nicht der Termin mein Stressfaktor, sondern das Gefühl, was ich mit Zahnarzt in Verbindung bringe. Oder ich komme mit einem bestimmten Familienmitglied nicht so ganz zurecht, aber bei bestimmten Familienfeiern treffe ich Denjenigen immer wieder. Die Lust zur Familienfeier zu gehen, schrumpft damit auf ein Minimum. Im Vorfeld rege ich mich jedoch immer wieder darüber auf „diese blöde Feier“, „ich hab gar keine Lust“, „das ist eh langweilig“…..
Nicht die Familienfeier ist das Problem, sondern jemand, den ich dort treffen werde, den ich nicht treffen möchte, weil ich ihn doof finde. Ich assoziiere also mein unwohliges Gefühl mit dem Familienangehörigen auf das Thema Familienfeier, so dass dieser Termin oder das Thema Familienfeier ein rotes Tuch für mich wird, obwohl es nur einzig und allein um das Gefühl zu diesem einen Menschen geht.

Der Alltags-Stress

Wir rennen (meist im wahrsten Sinne des Wortes, weil wir zu spät dran sind) früh los zu Arbeit, wir erledigen unsere Arbeit (oft ohne Pause), gehen danach noch schnell einkaufen (wenn es möglich ist), zwischendurch Termine, einige Gespräche, kommen relativ spät nach Hause, schnell Abendbrot machen (damit die Kinder pünktlich ins Bett kommen)….
Das hört sich erst einmal banal und unspektakulär an. Der Alltag vieler Menschen. ABER! Und jetzt kommt das ABER:
das früh los gerenne und zu spät dran sein, hat vielleicht einzig allein damit etwas zu tun, das ich selbst rumgetrödelt habe, oder zu spät aufgestanden bin. Deswegen verfalle ich in Hektik und Panik. Nun habe ich Angst zu spät zur Arbeit und damit Ärger zu bekommen.
Ich mache während der Arbeit keine Pause aus Angst, ich könnte meine Arbeit dann nicht schaffen oder werde argwöhnisch angeguckt bzw. erfahre Ablehnung. Die Zeit scheint mir durch die Finger zu gleiten, weil ich mir die Zeitfenster vielleicht selbst einfach zu eng gesetzt habe.

Das Stressventil

So und wenn das nicht schon genug wäre, dann kommen die ganzen anderen kleinen Teilchen dazu: du wirst von deinem Vorgesetzten vielleicht schlecht behandelt, jemand reagiert ziemlich schroff auf dich oder pöpelt dich an, obwohl du nett und freundlich warst, deine Freunde haben keine Zeit für dich bzw. halten dir vor, dass du dich nie meldest, dein Partner meckert nur mit dir rum, getroffene Vereinbarungen werden nicht gehalten (du bist enttäuscht), dein Kind ist vielleicht auffälliger als alle andere Kinder (es braucht mehr oder andere Aufmerksamkeit), du spürst Ablehnung von anderen, weil sie nicht in der Lage sind offen über ihre Befindlichkeiten zu kommunizieren, es passiert etwas unvorhergesehenes, Menschen melden sich plötzlich nicht mehr zurück (und du weist nicht warum – keine Reaktion), du brauchst Hilfe – niemand ist für dich da, das Schreiben vom Stromanbieter zur Ankündigung der weiteren Stromerhöhung liegt im Briefkasten, Rückzahlungsaufforderungen flattern ins Haus, dein Job füllt dich nicht aus, beim Arzt musst du ewig warten obwohl du einen Termin hattest, du traust dich nicht bestimmte Dinge zu tun, denkst, das du das sowieso nicht schaffst und zu guter Letzt triffst du deinen gut gelaunten Nachbarn, der an seinem neuen Auto steht und dir von seinem zukünftigen Urlaubsziel berichtet (Neid macht sich breit und sofort kommt der Gedanke, der war doch gerade erst im Urlaub, wie schafft der das, ich will das auch, dem geht es besser als mir, hoch), deine Erwartungen werden nicht erfüllt usw…..
Am Ende des Tages brüllst du dann dein Kind an, dass es endlich pünktlich ins Bett gehen soll und warum es keine Hausaufgaben gemacht hat…um dann zu sagen, „mein Kind ist momentan total anstrengend und ich habe nur Stress mit ihm“. Oder Du verfällst in den Slogan „So ein sch….Leben, ich komme zu nichts….“

Merkst Du was? Fällt Dir `was auf? Da liegt der entscheidende Punkt.

Nicht das Kind ist der Stressfaktor, sondern es ist nur das Ventil, was geöffnet wird, um sich Luft zu machen.

Der Stressfaktor sind wir selbst

….weil wir zu oft, das, was passiert mit negativen Gefühlen und Emotionen belegen und uns mit anderen vergleichen. Wir halten an Dingen und Erfahrungen fest. Stellen Erwartungen auf anstatt Wünsche. Bewerten Situationen und Menschen schlecht, ohne wirklich den wahren Grund für dessen Handlung zu wissen. Unsere Einstellung zum Außen und zu uns selbst ist schon so sehr negativ behaftet, was wiederum eine Kettenreaktion im Umgang mit anderen Menschen und unserem eigenen Verhalten und die Sicht auf unser Leben nach sich zieht.

Hinzukommt, die mangelnde und unzureichende Kommunikation der Menschen untereinander.
Die Oberflächlichkeit, die sich sukzessiv breit macht, das Wegschieben von eigener Verantwortung und das Auferlegen von äußeren Zwängen. Und nicht zu vergessen, dass sich selbst keine eigenen Grenzen setzen und sie verteidigen.

Wir begründen es mit äußeren Umständen und tun es damit ab, warum unser Leben stressig ist, weil wir uns nicht die Zeit nehmen und uns nicht erlauben zu hinterfragen und darauf zu achten, was uns wirklich Stress bereitet.

Fazit:

Die Stressbewältigung fängt mit uns selbst an und hört mit uns selbst auf.

Nicht die vielen Aufgaben unseres Lebens machen uns Stress, sondern wir selbst, das, was wir denken, fühlen und wie unser Standing zu uns selbst ist, sind die Stressfaktoren unseres Lebens!

Was sind Deine Stressfaktoren? Kennst Du sie?
Nein?! Dann finde sie.

Es lohnt sich, denn es wirkt unheimlich befreiend.

Schaue Dir auch gerne meinen 6-Wochen Stresspräventionskurs an.
Vielleicht kann er Dich unterstützen, Deine Stressfallen auszudecken 🙂

Viel Erfolg und Alles Gute

Deine Annett


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